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AUF PANAMA-SONDEREGGERS SPUREN

Conrad Sonderegger

An einem nasskalten Apriltag des Jahres 1938, Pizol und Falknis waren wolkenverhüllt, wälzte sich ein langer Trauerzug durch den Kurort. Bad Ragaz gab seinem Ehrenbürger Conrad Sonderegger, im Volksmund Panama-Sonderegger gennant, in gebotener Würde das letzte Geleit: voran, den Trauermarsch von Frédéric Chopin spielend, die Musikgesellschaft, hinter ihr im Leichenauto der blumengeschmückte Sarg, dann die Fahnen sämtlicher Ortsvereine, hernach gemessenen Schrittes Gemeinderat und Ortsverwaltung, der Schulrat, die Kirchenvorsteherschaft, Delegationen von Gewerbe- und Kurverein und zum Schluss viel trauerndes Volk. Die Glocken beider Kirchen läuteten, als vor dem Gasthaus Weisses Kreuz der Tote nochmals geehrt wurde. Anschliessend fuhr das Leichenauto nach Zürich, wo auf dem Manegge-Friedhof das Begräbnis stattfand.

Redaktor Fritz Lendi schrieb im Freien Oberländer: Conrad Sonderegger ist für immer von uns gegangen. Er wird aber in den Herzen der Ragazer Bevölkerung weiterleben. Viele sind es, die ihn nie vergessen werden und seiner ihrer Lebtag ehrend und in Dankbarkeit gedenken.

Ein halbes Jahrhundert ist seither ins Land gegangen und schon ist auch der grosse Panama-Sonderegger beinahe vergessen. Sein Schloss, das er als feudalen Sommersitz erbauen liess, steht zwar noch und lebt als gutgehendes Hotel Schloss Ragaz weiter. Zwar flattern auch noch Vereinsfahnen im Wind, die Conrad Sonderegger seinerzeit gestiftet hat, aber die Erinnerung an die markante Persönlichkeit ist verblasst und nur noch bei einigen alten Leuten lebendig geblieben. Der Panama-Sonderegger ist zur Legende geworden, zum reichen Kauz, der beim Bau des Panamakanals das grosse Geld machte und die Sommer in seinem Schloss in Bad Ragaz verbrachte. Die Fantasie des Volkes versuchte zu erklären, wie Sonderegger zu seinem sagenhaften Reichtum kam, und so entstanden die abenteuerlichsten Geschichten:

Wo si in dän achtzger Jourä vum letschtä Jourhundert dr Panämakanal pouä hind und sövüel Arbäiter vu Schlangä pissä wordä und gstorbä sind, söll au ä Ragazer d Hind im Spiil gka haa, ä Sunderegger mit Namä. Inschinöür sei er gsii und hei dr Luu vu dä Toutnä ygsaggt. Wo das ruuchbar wordä isch, muess er z flühä chuu sy. Imenä öülfass, är hät ämel alles Gält überä proucht und zwou Villä pouä äini z Züüri und äini vor em Hof z Ragaz. (Alois Senti, in: Anekdoten, Schwänke und Witze aus dem Sarganserland)


Wer war Conrad Sonderegger?
Conrad Sonderegger in jungen Jahren

Conrad Sonderegger kam am 12. Juni 1858 im ausserrhodischen Heiden als Sohn des Conrad Sonderegger und der Katharina, geborene Hohl, zur Welt. Zusammen mit einer munteren Schar Geschwister verlebte er im Höhenkurort die Jugendzeit und besuchte hier die Schulen. die höhere Fauchausbildung als Ingenieur holte er sich an den Technischen Hochschulen in München und Berlin.
Auf den Spuren der grossen Schweizer Pioniere im Ausland verschlug es den tatendurstigen Ingenieur nach Panama, wo er beim Kanalbau eine führende Stellung erhielt. Eine französische Gesellschaft ging Anfang der achtziger Jahre an die Verwirklichung des Projektes von Ingenieur Ferdinand de Lesseps, der den Suezkanal gebaut hatte.

Bau des Panamakanals

Conrad Sonderegger war einer der leitenden Ingenieure, dem Tausende von Arbeitskräften zur Verfügung standen. Im fieberreichen, mörderischen Klima war die Zahl der Opfer unter den Arbeitern ausserordentlich hoch. Das französische Unternehmen scheiterte an den gewaltigen Schwierigkeiten, die sich der Eroberung des Isthmus von Panama entgegenstellten. Vollendet wurde der Kanal von Amerikanern.

Bau des Panamakanals

Ingenieur Sonderegger, der 1889, nach dem Rückzug der Franzosen vom Kanalbau, nach Hause zurückgekommen war, schrieb über seine Erfahrungen und als Resultat seiner Tätigkeit in Panama ein Buch in französischer Sprache mit dem Titel Lâ Achèvement du Canal de Panama. Neben den technischen Ausführungen, die auch Ingenieure von heute zu interessieren vermögen, beeindruchte vor allem die Schilderung der klimatischen Widerwärtigkeiten, die den Kanalbau zur Hölle machten.

Conrad Sonderegger kehrte als gemachter Mann zurück. Zwei Jahre zuvor, 1887, hatte er Maria Agrippina Zuluaga aus dem wohlhabenden Hause des Juan de Dios von Ypijapa aus Ecuador geheiratet. Und da Sonderegger auch beim Anlegen seines Vermögens eine glückliche Hand hatte, versteuerte er nach seiner Rückkehr in die Heimat ein Millionenvermögen.

Familie Sonderegger

Das Ehepaar Sonderegger-Zuluaga hatte vier Kinder. Der ältere Sohn, Conrad, von Beruf Ingenieur starb nach langer Krankheit im Alter von 48 Jahren, nur zwei Jahre nach dem Tod von Mutter Agrippina. Conrad kam während des Zwischenaufenthalts in Paris zur Welt, während Tochter Ina im heimatlichen Heiden geboren wurde. Ina wurde übrigens die Frau des berühmten Schweizer Physikers Paul Scherrer. Mercedes, das jüngste Kind, starb im blühenden Alter von 20 Jahren. Der jüngere Sohn, Fritz Bertrand, ebenfalls Ingenieur, lebte und wirkte viele Jahre im Tessin.

Ein regsamer Heimkehrer

Zurückgekehrt nach Heiden, entfaltete der unternehmungsfreudige Sonderegger sofort eine rege Tätigkeit. Schon 1890 wurde er in den Ausserrhoder Kantonsrat gewählt. Als versierter Ingenieur leistete er vor allem in der Landesbau- und Strassenkommission Vorbildliches. Sein Interesse an landwirtschaftlichen Fragen manifestierte sich darin, dass er auf der Liegenschaft Zur Tanne bei Wald einen Musterbetrieb nach amerikanischem Farmsystem mit einem U-förmigen Stall, der im Volksmund heute noch Panamastall heisst, aufbaute.

Nach ein paar Jahren verkaufte Sonderegger das Areal wieder. Es wurde dem überseer zu eng im Appenzellerland, und er verlegte zum Leidwesen seiner Häädener Mitbürger seinen Wohnsitz nach Zürich, wo er sich physikalischen Studien und Untersuchungen widmete. Conrad Sonderegger war zu seiner Zeit in Kreisen der Technik und der Finanzen eine bekannte Persönlichkeit von natürlicher Autorität und mit grossem Wissen.

Sommers in Bad Ragaz

Wahrscheinlich lernte Conrad Sonderegger Ragaz während eines Ferien- oder Kuraufenthalts kennen und dessen Ruhe und Schönheit schätzen. Jedenfalls kaufte er schon um 1890 eine schattige Liegenschaft ausserhalb des Dorfes und baute darauf ein Schloss als herrschaftlichen Sommersitz. Den Winter verbrachte die Familie Sonderegger in Zürich; sommers residierte man in Bad Ragaz. Allerdings, als der alte Herr mit zunehmendem Alter leidend wurde, blieben Sondereggers das ganze Jahr hindurch im Badekurort.

Conrad Sonderegger war in Ragaz gern gesehen und sehr geachtet. Er interessierte sich für das Dorfgeschehen und stellte sein Wissen und seine Erfahrung der Öffentlichkeit zur Verfügung. Er gab dem Kaiser, was des Kaisers war, und dies bedeutete für die damalige bäuerliche Gemeinde wesentliche Einnahmen an Steuern. Conrad Sonderegger hatte einen wachen Sinn und eine offene Hand, wenn es galt, etwas zu verbessern. Gemeinnützige Organisationen legten Wert darauf, seinen Namen als Ansporn zur Gebefreude zuoberst auf der Sammellliste zu haben, und arme Schlucker klopften zumeist nicht umsonst an die Schlosstüre. So war denn die Verleihung des Ehrenbürgerrechts die verdiente Anerkennung für Conrad Sondereggers wohltätiges Wirken in Bad Ragaz.

Ragazer Reminiszenzen

Besonders eines der Grosskinder Sondereggers, Ines Scherrer, war häufig in Ragaz bei den Grosseltern in den Ferien. Ines, längst Frau Dr. Jucker-Scherrer, träumt heute noch von den schönen Zeiten in Bad Ragaz: Er war ein wunderbarer Grossvater, lieb, unterhaltend und vor allem besorgt. Wenn man im Park spielte, stand er beobachtend mit dem Feldstecher auf dem Balkon, und wenn man über Land fuhr oder ging, erklärte er alles mit einer Riesengeduld. Grossvater fand auch immer, ich sei zu dick. Trotzdem landeten wir, wenn wir nach Chur zum Einkaufen fuhren, todsicher in der besten Konditorei. So konsequent sind eben gute Grossväter!



 
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